
2006 – ein nicht gerade
hervorstechendes Jahr, wenn es um potentielle Nachwuchskünstler
geht. Allenfalls rülpsende Kröten, debil grinsende
Affen und sonstige gehaltlose Geschöpfe aus den Computern
zugedröhnter Klingelton-Erfinder stehen neben gecasteten
Pseudo-Musikern, die ihre Schultüte für die berühmten
“15 Minutes Of Fame” gegen ein Mikrofon tauschen,
bereit, um Schnellschusskonsumenten für Sekunden zu befriedigen.
Die Entwicklung macht auch vor dunkleren Tönen keinen Halt
mehr: Nichts aussagende Larifari-Bands werden als “Gothic”
tituliert und fordern die schwarze Szene geradezu auf, mit solchen
Knallchargen in einen Topf geschmissen zu werden. Gut, dass
noch einige wenige Bands diesen Trends entgegenwirken –
womit wir bei Reflexion angekommen sind.
Die Gruppe um Charming-Boy Juha Kylmänen ist die große
Hoffnung für 2006, wie erste Pressestimmen sowie Charteinstiege
in der Bandheimat Finnland bestätigen. Die Gründe
dafür sind so einfach wie leider heutzutage unalltäglich.
Zunächst gehören Reflexion nicht zur Kategorie der
Imitatoren, sondern spielen bereits seit 1995 ihre Instrumente
selbst. Ja, richtig, auch vorgefertigte Songs gibt es bei dem
Quintett nicht, und Einschränkungen hasst es wie der Teufel
das Weihwasser. Nicht selten beobachtet man momentan Musiker,
die eigentlich aufgrund allzu übertriebenen Süßholzgeraspels
mit einer meterlangen Schleimspur auf die Bühne rutschen
müssten – andererseits aber auch viele, die mittels
höchster Lautstärke versuchen, kompositorische Mängel
auszugleichen. Anders bei Reflexion: Langjährige Erfahrung
und bemerkenswertes Songwriting verweben sich mit typisch-finnischer
Melancholie und sorgen so für Kurzweil. Die frühe
Liebe zu Bands wie Metallica, Megadeth und AC/DC sorgt für
den rockigen Kick in den Songs auf ”Out Of The Dark”,
das durch Juha Kylmänens variable Gesangslinien zwischen
bittersüßer Härte und Wehmut Gothic-, Metal-,
Pop- und Alternative-Hörer becirct. Der rothaarige Fronter
war nämlich von den Klängen, die 1996 aus dem benachbarten
Proberaum schallten, so begeistert, dass er kurzerhand bei Reflexion,
die damals noch unter dem Namen Enchanted (später, bis
1999: Barbarian Z) werkelten, einstieg. Das erste Demo war binnen
kurzer Zeit ebenso ausverkauft wie die Clubs und Hallen des
Landes. Der Erfolg der Underground-Tage konnte nur eines nicht
verhindern: Line-Up-Wechsel. Einige Musiker gaben sich die Proberaumtür
in die Hand, doch das hat nun ein Ende, denn Reflexions Line-Up
ist stabiler denn je. “Out Of The Dark” kommt zur
rechten Zeit, um den nahenden Sommer aufs Angenehmste zu verdunkeln.
Mit potentiellen Hits wie “Army Of Broken Hearts”,
“Crashing Down”, “Feeble Soul” und “Journey
To Tragedy” im Gepäck, die dem bereits in Finnland
in die Top-20-Singlecharts geschossenen “Undying Dreams”
in nichts nachstehen, machen sich Reflexion auf, Herzen zu erobern.
Dass Reflexion auch live eine Band mit Energie und Esprit ist,
hat sich inzwischen in unseren Breitengraden herumgesprochen.
Den Beweis dafür wird die Formation im Herbst auf ihrer
Europa-Tour mit Charon antreten.
Line-Up:
Juha Kylmänen – Vocals
Ilkka Jolma – Guitar
Raymond Pohjola – Drums
Juhani Heikka – Guitar
Mikko Uusimaa – Bass